Im Amboseli Nationalpark

Geländewagen im Amboseli Nationalpark

„Wenn Sie darauf bestehen, dass wir Sie zum Amboseli Nationalpark fahren, dann müssen Sie uns noch einmal 600 Dollar bezahlen!“ Fünf oder sechs Mitarbeiter von ´Kairi Tours & Safaris Ltd.´ in Nairobi versuchen mich dazu zu bewegen, meine Reisepläne zu ändern. „Das sehe ich gar nicht ein“, antworte ich. „Ich habe eine Safari zum Amboseli Nationalpark gebucht. Entweder Sie bringen mich da hin, oder Sie geben mir mein Geld zurück und ich wende mich an einen anderen Veranstalter“, beharre ich.

Am Abend vorher war meine dreiwöchige Überlandsafari von Victoria Falls in Nairobi beendet worden. Ich hatte weitere drei ganze Tage zur Verfügung, die ich möglichst sinnvoll nutzen wollte. Nairobi war mir ein zu gefährliches Pflaster, außerdem ein Nationalpark ungleich interessanter. Ich hatte mich für Amboseli entschieden, um auch den berühmten Kilimandscharo zu sehen. Außerdem wäre die Alternative, die Masai Mara, relativ uninteressant. Ich hatte nämlich bereits den Serengeti Nationalpark in Tansania besucht. Die Masai Mara ist nichts anderes als die Fortsetzung der Serengeti jenseits der Grenze zu Kenia. Sicherlich lohnenswert – aber ich wollte etwas anderes sehen.

zwei der Tiere, die es im Nationalpark angeblich sowieso nicht gibt

„Sie sind der einzige Kunde, der zum Amboseli Nationalpark möchte. Das lohnt sich für uns nicht. Außerdem gibt es dort sowieso keine Tiere. Fahren Sie lieber in die Masai Mara.“ Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, mich nicht erweichen zu lassen. Notfalls würde ich einen anderen Veranstalter finden, hoffe ich. Im Stillen finde ich die Gelegenheit, der einzige Fahrgast zu sein, mit anderen Worten absolut freie Hand beim Fotografieren zu haben, aber sehr reizvoll. Ich bin bereit, dafür mehr zu bezahlen, jedoch nicht 600 Dollar. Nach einigen Minuten zähen Verhandelns einigen wir uns schließlich auf zusätzlich 150 Dollar, und ungefähr eine halbe Stunde später bin ich mit Fahrer und Koch unterwegs auf einer dreitägigen Zeltsafari in den Amboseli Nationalpark.

junge grüne Meerkatze

Etwa zwei Stunden vor Ankunft im Park, fünfzig Kilometer vom nächsten größeren Ort entfernt, bleibt unser Kleinbus mitten in der Wildnis liegen. George, der Fahrer, hat das Problem schnell erkannt. Eine Schraube hat sich gelöst. Daher halten die Bremsbeläge nicht mehr auf der Bremsscheibe. Eine Weiterfahrt scheint unmöglich.

Massai

„Vielleicht können wir es irgendwie zur Stadt zurück schaffen“, meint George. „Dort kann ich den Wagen reparieren lassen. Wir müssen dann eben da übernachten.“ Plötzlich kommt ein Auto vorbei. George lässt sich ins benachbarte Massai-Dorf mitnehmen und kommt nach einer halben Stunde mit einem Mechaniker zurück. Der schaut sich das Problem an, denkt ein Weilchen nach und lässt sich schließlich eine Schraube, die nicht ganz passt, und einen Fahrradschlauch geben. Mit letzterem verhindert er, dass die zu kleine Schraube wieder herausrutscht. Er umwickelt einfach den gesamten Bremsklotz mit dem Fahrradschlauch – das Provisorium hält tatsächlich die nächsten drei Tage.

Elefanten-Mutter mit Baby vor der aufgehenden Sonne

„Es kommen nie gefährliche Tiere hierher. Höchstens mal Elefanten, aber die tun nichts, wenn man sie nicht reizt.“ Dieser Auffassung ist der Betreiber des Zeltplatzes inmitten des Nationalparks. Als ich am nächsten Morgen um sechs aufstehe, um den Sonnenaufgang zu fotografieren, traue ich meinen Augen kaum. Nur ein paar Meter von meinem Zelt entfernt spaziert eine Elefanten-Familie gemütlich zwischen der aufgehenden Sonne und mir vorbei. Besser hätte ich es gar nicht treffen können.

angriffslustiger Elefantenbulle

Die Unannehmlichkeiten des Vortags sind sofort vergessen. Ich hole meine Kamera und beginne zu fotografieren. Nach ein paar Minuten eilt ein hysterisch gestikulierender Zeltplatz-Betreiber herbei und hält mich davon ab, mich noch näher heranzupirschen. Die Elefanten hätten ein Baby, meint er, und seien deshalb gefährlich. Ich bin der Meinung, ich würde sie ja nicht reizen, aber vielleicht weiß er es ja doch besser. Das Foto, das mir vorschwebt, nämlich Elefanten vor dem im Sonnenlicht erstrahlenden Kilimandscharo, kann ich zwar nicht wie geplant realisieren. Trotzdem sehe ich eine Menge Tiere und auch den höchsten Berg Afrikas – nur leider ohne Elefanten. Allerdings ist die Erde hier sehr trocken und es staubt ausgesprochen stark. Kamera, Kleidung und mich selbst im offenen Kleinbus sauber zu halten, ist gar nicht einfach. Nächstes Mal werde ich dann doch die Masai Mara vorziehen.

Ockerbuschhörnchen im Amboseli Nationalpark

Abends erwähnt George so nebenbei, dass sich vielleicht doch einmal ein gefährliches Tier auf den Campingplatz verirren könnte. Wir haben schließlich sogar Löwen gesehen. Es sei nicht angebracht, nachts das Zelt zu verlassen, auch nicht zum Austreten. Ich halte mich an diesem Abend mit dem Biergenuss zurück.

Schließlich komme ich nach drei Tagen bzw. zwei Nächten heil aber ziemlich verstaubt wieder in Nairobi an. Am nächsten Morgen um zehn wird mein Flugzeug nach hause starten. Erst abends beim Packen fällt mir auf, dass ich dummerweise mein Foto-Stativ im Safari-Kleinbus vergessen habe. Ich rufe am nächsten Morgen vom Flughafen aus gleich den Veranstalter an und tatsächlich wird mir das Stativ noch ca. eine halbe Stunde vor Abflug dorthin gebracht.

Ich habe es wirklich geschafft, vier Wochen in Afrika zu verbringen, ohne irgend etwas zu verlieren!

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© Siegfried Kuttig